Die Tariflöhne in Deutschland stiegen 2020 voraussichtlich um durchschnittlich zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt eine vorläufige Jahresbilanz der Hans-Böckler-Stiftung. Aufgrund des geringen Anstiegs der Verbraucherpreise ist mit einem Reallohnzuwachs von 1,4 Prozent zu rechnen. Die Neuabschlüsse des Jahres sind allerdings bereits von der Corona-Krise gezeichnet.

Angesicht des starken wirtschaftlichen Einbruchs in vielen Branchen liegen die nominalen Tariferhöhungen im ablaufenden Jahr deutlich unterhalb der Vorjahre. In konkreten Zahlen bedeutet das Lohnzuwächse von 1,5 Prozent, wenn man nur die Neuabschlüsse aus 2020 berücksichtigt. Die bereits in den Vorjahren vereinbarten längerfristigen Lohnabschlüsse schlagen hingegen mit einer Erhöhung von 2,6 Prozent zu Buche. Insgesamt ergibt das eine durchschnittliche Erhöhung von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz der Pandemie fanden in zahlreichen Branchen auch Tarifauseinandersetzungen statt. Insgesamt erhielten 2020 knapp 18,6 Millionen Beschäftigte Tariferhöhungen. Für rund 9,8 Millionen wurden 2020 Neuabschlüsse getätigt, während etwa 8,8 Millionen von mehrjährigen Tarifabschlüssen aus den Vorjahren profitieren.

Darüber hinaus gab es zahlreiche tarifliche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung in der Corona-Krise sowie zur Aufstockung des gesetzlichen Kurzarbeitergeldes. Die Tarifpolitik leiste damit “einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Lohneinkommen, der sich positiv auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auswirkt”, sagt Professor Dr. Thorsten Schulten, Leiter des Tarifarchivs am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung.

Sein Blick richtet sich auch auf die kommende Tarifrunde 2021: “Hierbei werfen insbesondere die Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie bereits ihre Schatten voraus.” Im Kern werde es neben der Sicherung von Einkommen vor allem um den Erhalt von Beschäftigung gehen, prognostiziert er.

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