Viele Unternehmen scheinen auch mehr als anderthalb Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland noch im Krisenmodus zu sein. Einer repräsentativen Umfrage zufolge glauben nur 52 Prozent der Arbeitnehmenden, dass ihr Unternehmen eine erkennbare Strategie für die neue Arbeitswelt hat. Zudem zeigen sich zunehmend auch negative Folgen des flexiblen Arbeitens.

Insgesamt hat die Bertelsmann Stiftung 1.250 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragen lassen, von denen 473 mindestens zeitweise im Homeoffice arbeiten. 70 Prozent von ihnen gaben an, dass sich die Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen sowie zur Führungskraft seit Ausbruch der Krise nicht verändert habe. Mitarbeitende im Homeoffice empfinden die Situation in den Bereichen Work-Life-Balance, Wohlbefinden, Motivation, Arbeitsbelastung und Produktivität allerdings als etwas positiver als diejenigen am Arbeitsplatz.

Die flexiblere Arbeitswelt hat aber auch negative Folgen. So fällt es insgesamt knapp jedem zweiten Befragten schwer, nach der Arbeit abzuschalten sowie Beruf und Privatleben zu trennen. Die Unternehmen seien gefordert, darauf zu reagieren, sagt Ingrid Feinstein vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos: „Sie können ihre Beschäftigten beispielsweise durch Informations- und Coachingangebote unterstützen.“

Der Wandel der Arbeitsbedingungen bringt vor allem für Frauen Schwierigkeiten mit sich, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Sie gaben öfter als Männer an, dass sich Arbeitsbelastung, Wohlbefinden und Produktivität verschlechtert hätten. Zudem äußerten sie häufiger Zweifel, ob die Gleichbehandlung in ihrem Unternehmen weiter vorangetrieben wird.

Die Unternehmen könnten die neu gewonnene Flexibilität nicht zurücknehmen, fasst Jörg Habich von der Bertelsmann Stiftung zusammen: „Daher müssen sie sich endlich konsequent mit der Frage beschäftigen, wie zukunftsfähige Modelle der Zusammenarbeit in ihrer jeweiligen Organisation gestaltet sein müssen und wie sie umzusetzen sind.“ Dabei seien vor allem die unternehmenskulturellen und strategischen Weichenstellungen ausschlaggebend für den Erfolg. Personalabteilungen sollten sich daher stärker in die Transformation einbringen und Ideen entwickeln, wo und wie der soziale Austausch der Beschäftigten künftig stattfindet.

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