Die Pandemie hat hierzulande auch in den Schulen die Digitalisierung vorangetrieben – eher ungeplant als geplant, meist ganz pragmatisch und eher in Eigeninitiative der Lehrerinnen und Lehrer als durch eine breitflächig abgestimmte Strategie. Zu den Folgen gehört nach einer aktuellen Studie eine digitale Spaltung der Schulen, mit negativen Folgen für die Arbeitsbedingungen der Lehrenden wie für die digitale Kompetenzentwicklung der Lernenden.

Aus der digitalen Perspektive betrachtet, lassen sich die Schulen im Jahr 2021 aufteilen in digitale Vorreiter (12 %), digital Orientierte (26 %), digitalen Durchschnitt (29 %) und digitale Nachzügler (33 %). Weit mehr als die Hälfte der Schulen gehört also trotz Digitalisierungsschub durch Corona zu den digitalen Sitzenbleibern.

Insbesondere an den Nachzügler-Schulen fehlt es an digitalen Endgeräten für die Lehrkräfte und die Lernenden. Lediglich 29 Prozent von diesen Schulen können ihren Lehrerinnen und Lehrern digitale Geräte für den Unterricht zur Verfügung stellen. Den Schülerinnen und Schülern diese Schulen können gerade zu 40 Prozent digitale Geräte bereitgestellt werden. Vorreiter-Schulen können dagegen 89 Prozent der Lernenden schuleigene Laptops, PCs oder Tablets zum Arbeiten überlassen.

Für die Autoren der Studie „Digitalisierung im Schulsystem 2021“ von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen bedroht diese Kluft zwischen den Schulen „die Chancen von Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern für eine gleichberechtigte Teilhabe an der gesellschaftlichen Entwicklung“.

Die digitale Kluft umfasst nach der Studie viele Dimensionen, wirke sich auf Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, Rahmenbedingungen und Perspektiven von Lehrkräften aus. Auch würden die Chancen der Jugendlichen gefährdet. Denn wo, wenn nicht in der Schule, sollen sie die digitalen Kompetenzen erwerben, die es für das berufliche, soziale und kulturelle Leben braucht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert im Vorwort zum Ergebnisbericht der Studie, dass an allen Schulen die Grundvoraussetzungen für eine zeitgemäße pädagogische Arbeit mit digitalen Medien und Tools gegeben sein müssen. Spätestens jetzt sei es an der Zeit, die Medienkompetenz durch passgenaue digitale Schulstrategien und pädagogische Konzepte ins Zentrum zu rücken. Für die GEW steht außer Zweifel, dass es ein zentraler Auftrag für Bildung in der digitalisierten Welt ist, allen Lernenden „Medienmündigkeit und Partizipation zu ermöglichen“.

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