Viele junge Menschen finanzieren mit der Arbeit als studentische Beschäftigung ihr Studium – oder planen dies zumindest. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft Welten. Denn leben können die studentischen Hilfskräfte oft kaum von ihrer Arbeit. Die ist geprägt von schlechten Arbeitsbedingungen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Unbezahlte Überstunden, ausbleibende Bezahlung, Dumping-Löhne, Kettenverträge oder unbezahlte Krankheitstage sind eher die Regel als die Ausnahme für studentische Beschäftigte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts ‚Arbeit und Wissenschaft‘ (iaw) der Universität Bremen im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Mindestens 200.000 studentische Beschäftigte sind laut Ver.di von derlei schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. Eine wirklich aussagekräftige Personalstatistik liegt nach Angaben der Gewerkschaften nicht vor, da Hochschulen und Universitäten die Mitarbeitenden oftmals unter Sachmitteln statt unter Personal führen würden.

Die Arbeitsbedingungen grenzen für Sylvia Bühler aus dem Ver.di-Bundesvorstand an Ausbeutung. Sie fordert, dass die Arbeitgeber „die täglichen Gesetzesverstöße sofort abstellen“. Auch fordert sie, dass die studentischen Beschäftigten endlich unter den Schutz eines Tarifvertrages gestellt werden. Darin müssten zudem Mindestlaufzeiten für die Arbeitsverträge und faire Entgelte geregelt werden.

Aus Sicht von Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender, werden die studentischen Hilfskräfte mit den schlechten Arbeitsbedingungen „auf die steinigen Karrierewege in der Wissenschaft nach dem Studium eingestimmt“. Doch wer für eine stabile Beschäftigung in der Wissenschaft sorgen wolle, müsse die jungen Mitarbeitenden “tarifvertraglich und gesetzlich” absichern.

Für Marvin Hopp vom Forschungsteam des iaw an der Universität Bremen, zeigt die Studie einen flächendeckenden Regulierungsbedarf der studentischen Arbeitsbeziehungen. Es würden deutliche Lücken bei den gesetzlichen Arbeitnehmerrechten offenbar. Sein Fazit: Die gesetzliche Mitbestimmung müsse dringend auf studentische Beschäftigte in allen Bundesländern ausgeweitet werden.

Lediglich das Land Berlin hat einen Tarifvertrag für studentisch Beschäftigte. Angestrebt wird von den studentischen Beschäftigten, die sich 2021 bundesweit organisiert haben, ein flächendeckender Tarifvertrag, kurz TV Stud. Zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und ver.di wurden Gespräche zum Thema TV Stud vereinbart.

Die Studie „Jung, akademisch, prekär?“ steht auf der Webseite des iaw an der Universität Bremen zum Download bereit.

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