Steigt die Produktivität, wenn die Teamkollegen eng zusammen sitzen und die Kommunikation im direkten persönlichen Austausch erfolgt? Für einige Arbeitssituationen lautet die deutliche Antwort ja. Dies zeigt eine Studie der London School of Economics (LSE).

Ob und für wie viele Tage in der Woche oder welche Zeitspannen im Monat das Arbeiten im Home-Office vom Arbeitgeber abgenickt wird, könnte künftig stärker als bislang von der Art der Tätigkeit abhängen. Denn eine aktuelle Studie aus England belegt, dass die physische Nähe zu den Kolleginnen und Kollegen die Produktivität positiv beeinflusst. Beobachtet hat das Professor Jordi Blanes i Vidal, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre und Strategie an der LSE, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern.

Die Wissenschaftler haben im englischen Manchester die Arbeit der Beschäftigten beim Notruftelefon der Polizei untersucht. Das Ergebnis ist interessant: Saßen die Kollegen und Kolleginnen eng zusammen oder zumindest im selben Raum, stieg die Leistung um 2 Prozent, in dringenden Fällen sogar um bis zu 10 Prozent.

Die Arbeit in der analysierten Notrufzentrale wird jeweils von Zweierteams erledigt: Eine Person nimmt die Anrufe entgegen und gibt die Informationen direkt in das DV-System ein. Die andere Person liest die Meldungen, bearbeitet sie und schickt gegebenenfalls einen Streifenwagen zum Einsatzort. Einige Zweierteams arbeiteten auf Sicht zueinander, andere nicht. Daher war es den Wissenschaftlern möglich, die Reaktionszeiten der Teams miteinander zu vergleichen.

Deutlich macht Professor Blanes i Vidal, dass der positive Effekt der Leistungssteigerung insbesondere dann zu messen war, wenn die Zweierteams möglichst nahe beieinander saßen. Der Aufenthalt im Büro, aber in unterschiedlichen Räumen oder auf der anderen Seite des Raumes, führte zu keiner Veränderung der Produktivität.

Die persönliche Kommunikation ist für Professor Blanes i Vidal dort besonders wertvoll, „wo Entscheidungen relativ schnell getroffen werden müssen“. Dann sei der persönliche Austausch gegenüber der elektronischen Kommunikation im Vorteil.

Der LSE-Wissenschaftler verdeutlicht freilich auch, dass Remote-Arbeit nicht grundsätzlich weniger effizient sein muss als das Arbeiten im angestammten Büro. Dies gelte insbesondere für Aufgaben, die nicht zeitkritisch und nicht komplex sind. Aus seiner Sicht funktioniert die elektronische Kommunikation insbesondere dann ohne Probleme, wenn die Tätigkeit nicht mit einem hohen Zeitdruck verbunden ist. Der persönliche Austausch punktet in Arbeitssituationen, in denen Entscheidungen relativ schnell getroffen werden müssen.

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