Es kommt auf die eigene Perspektive an, ob Menschen ihre Fähigkeiten als gut oder schlecht einschätzen – obwohl sie objektiv die gleiche Leistung zeigen. Forschende der Universität Lübeck haben nun herausgefunden, dass die Entwicklung dieser Selbstkonzepte damit verbunden ist, welche Emotionen während des Lernens erlebt wurden.

Für die Studie sollten insgesamt 39 junge Erwachsene wiederholt Eigenschaften wie das Gewicht von Tieren oder die Höhe von Häusern schätzen. Anschließend erhielten sie eine fingierte Rückmeldung über ihre Schätzleistung. Vor jeder Schätzung gaben die Teilnehmenden zudem ihre jeweilige Erwartung für die folgende Schätzkategorie an. In einer Kontrollbedingung beobachteten sie eine andere Person bei der Durchführung der Schätzaufgabe und sollten hier ihre Erwartung über die vermutete Schätzleistung der anderen Person angeben.

Es zeigte sich, dass die Entstehung der Selbstkonzepte in zweifacher Hinsicht verzerrt war. Zum einen bearbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Durchführung der Aufgabe negative gegenüber positiven Rückmeldungen bevorzugt. Diese Verzerrung trat aber nur bei selbstbezogenem Feedback auf und nicht, wenn es um die Fähigkeiten anderer ging. So habe man etwa “beobachtet, dass Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die verstärkt Peinlichkeit erleben, dazu neigen, sich beim Lernen mehr auf negatives Feedback zu konzentrieren”, sagt Dr. Laura Müller-Pinzler, Erstautorin der Studie. Als Reaktion auf negativeres Feedback zeigten diese demnach auch “eine stärkere Aktivierung von Bereichen im Gehirn, die typischerweise damit assoziiert sind, den Wert von Informationen und emotionales Erleben abzubilden”.

Zusammengenommen deuten die Ergebnisse den Forschenden zufolge auf Mechanismen hin, bei denen emotionales Erleben und die Art und Weise, wie Menschen neue Konzepte über ihre Fähigkeiten entwickeln, in einem Zusammenhangen stehen. Während soziales Feedback auf die eigenen Leistungen im Alltag oft mehrdeutig sein könne, sei es für die Entwicklung starker Selbstwirksamkeitsüberzeugungen förderlich, wenn die positiven Emotionen die negativen Erfahrungen während des Lernens überwiegen.

Der englische Orginaltext der Studie “Neurocomputational mechanisms of affected beliefs” findet sich hier.

Aktuelle Beiträge

BetriebsratsPraxis24 Newsletter
Holen Sie sich noch mehr Input für Ihre Betriebsratsarbeit.
Jetzt anmelden »
Jetzt abonnieren »
BetriebsratsPraxis24 Newsletter