Frisches Geld, bessere Performance – mit dem Einstieg eines Finanzinvestors verbinden Unternehmen mitunter große Hoffnungen. Eine neue Studie gießt nun Wasser in den Wein. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass ihnen die Übernahme durch eine Private-Equity-Gesellschaft oft große Belastungen und ein höheres Insolvenzrisiko bringt. Auch die Zahl der Beschäftigten entwickelt sich schwächer.

Der Finanzierungsexperte Dr. Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT) hat in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Analyse 156 Unternehmen untersucht, die 2013 von einer Private-Equity-Gesellschaft übernommen worden sind. Ihnen stellte er jeweils ein Unternehmen ohne Finanzinvestor gegenüber, das in seiner Ausrichtung und Größe vergleichbar ist.

Es zeigte sich, dass vor allem im Jahr der Übernahme die Zahl der Beschäftigten bei den eigenständigen Unternehmen im Besitz von Private Equity sank und danach stagnierte. Die Beschäftigung in den Vergleichsunternehmen ohne Finanzinvestor legte im gleichen Zeitraum zu. Bis 2017, dem Ende des Beobachtungszeitraums, hatte sich die Gesamtbeschäftigung in den Unternehmen im Besitz von Private Equity knapp 13 Prozentpunkte schlechter entwickelt als in den anderen Unternehmen.

Auch die Finanzlage der Unternehmen verschlechterte sich nach dem Einstieg von Finanzinvestoren: Vier Jahre nach der Übernahme wiesen sie eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von rund 28 Prozent auf. Bei den Vergleichsunternehmen lag die Quote bei circa 42 Prozent. Bis September 2019 mussten 14 der 156 untersuchten Unternehmen Insolvenz anmelden, also rund neun Prozent. Die Insolvenzquote der von Finanzinvestoren geführten Unternehmen lag dabei insgesamt doppelt so hoch wie beim Durchschnitt der deutschen Unternehmen.

Mit dem Einstieg von Private Equity geht zudem häufig ein Wandel der Unternehmenskultur einher, berichtet der Studienautor – und zwar von “geduldigem” zu “ungeduldigem Kapital”. Zählten vorher auf Stabilität bedachte strategische Investoren und Familien zu den wichtigsten Eigentümern, etablierten sich Finanzinvestoren danach dauerhaft als größte Eigentümergruppe. Sie reichten Unternehmen häufig zum nächsten Finanzinvestor weiter.

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