Die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf die Psyche müssen besser abgefedert werden, fordern der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Die sozialen und psychischen Folgen der Corona-Maßnahmen sollten ihrer Auffassung nach stärker Berücksichtigung finden.

Zunehmende Einsamkeit, die Sorgen um die berufliche Zukunft und die familiäre Belastung nehmen weiter zu, sagt SoVD-Präsident Adolf Bauer. Menschen mit und ohne psychische Erkrankungen gerieten mehr und mehr an ihre Grenzen: „Das kann und darf uns nicht egal sein.“ BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz zufolge dürften Menschen nicht das Gefühl bekommen, dass sie von der Politik vergessen werden: „Sie brauchen einen niederschwelligen Zugang zu psychosozialen und -therapeutischen Hilfsangeboten.“

Durch Homeoffice, Kurzarbeit und Lockdown seien Alltagsstrukturen weggebrochen, fährt er fort. Deshalb würden deutlich mehr Menschen Rat und Hilfe bei Psychotherapeutinnen und -therapeuten suchen. Wer eine Behandlung benötige, müsse jedoch monatelang auf einen freien Termin warten. Ein Zustand, der bereits vor der Pandemie herrschte, weil es viel zu wenige zugelassene Psychotherapeuten gegeben habe, um allen psychisch kranken Menschen helfen zu können.

Wie kritisch die aktuelle Situation sei, belege das aktuelle Deutschland-Barometer Depression, eine jährliche und repräsentative Bevölkerungsumfrage. Demnach berichteten 22 Prozent der Befragten in einer depressiven Phase von ausgefallenen Facharzt-Terminen in den letzten sechs Monaten. Bei 18 Prozent fiel ein Termin beim Psychotherapeuten aus. SoVD und BPtK hatten zudem schon im Dezember 2020 eine eigene Studie präsentiert, die zeigte, dass sich bereits vor der Corona-Pandemie unter anderem junge Erwachsene verstärkt einsam fühlten. „Diese Situation hat sich weiter verschärft“, so Bauer.

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