Wer entscheidend zum Unternehmenserfolg beiträgt, wissen die Vorstände von Unternehmen. Das sind qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So zumindest tönt es in Sonntagsreden. Doch die Realität spricht eine andere Sprache: Nur in knapp der Hälfte der mitbestimmten Unternehmen ist ein Vorstandsmitglied explizit und eigenständig für die Belegschaft zuständig. Das zeigt eine Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.).   

Die Bedeutung, die im unternehmerischen Alltag der Weiterentwicklung der Beschäftigten wie auch dem Recruiting oder der Gehaltsstrategie zukommen sollte, spiegelt sich in der Untersuchung von 677 mitbestimmten Unternehmen in der Zusammensetzung des obersten Leistungsorgans nicht wider: In knapp einem Drittel (31 %) der mitbestimmten Unternehmen, die mindestens 2.000 Frauen und Männer beschäftigen, wird auf einen eigenständigen Personalvorstand verzichtet. In einem guten Fünftel (22 %) der analysierten Unternehmen ist das Personalressort wiederum anderen Vorständen mit zugeordnet. Besonders rar sind Personalvorstände bei deutschen Tochterunternehmen ausländischer Muttergesellschaften.  

Für Jan-Paul Giertz, Autor der I.M.U.-Studie, ist es „ein klares Indiz für ein sehr operatives Verständnis der Personalarbeit“, wenn Personalthemen über eine „‘Gesamtverantwortung‘ etwa des Vorstandschefs abgedeckt“ würden. Gar Rollenkonflikte drohten, wenn das Personalressort sozusagen ein Anhängsel eines anderen Vorstandsressorts sei. Als Beispiel für eine derartige Konstellation nennt Personalexperte Jan-Paul Giertz einen Finanzvorstand, der auch den Bereich Human Resources (HR) verantwortet. Dieser könne in einen möglichen Zielkonflikt zwischen Kostenoptimierung und Sozialverträglichkeit einer Maßnahme geraten.  

Auch komme die notwendige fachliche Professionalisierung zu kurz, wenn ein expliziter Personalvorstand fehlt. Kritisiert wird in dieser Studie auch „die besonders niedrige Geschlechterdiversität, wenn CEOs oder CFOs die HR gleich mitübernehmen“. In derartigen Unternehmen betrage der Frauenanteil unter den Personalverantwortlichen gerade rund 5 Prozent. In Unternehmen mit einem eigenständigen Personalvorstand liege der Frauenanteil dagegen bei 32 Prozent. 

Eine positive Bilanz wird in dieser Analyse für alle 23 montanmitbestimmten Unternehmen gezogen. Entsprechend dem Montanmitbestimmungsgesetz von 1951 muss es in jedem Vorstand einen Arbeitsdirektor oder eine Arbeitsdirektorin geben. Für den Autor der Studie „Personalvorstände in mitbestimmten Unternehmen“, I.M.U.-Policy-Brief Nr. 6, März 2021, ist dieses Modell zukunftsträchtig. Denn Fachkräfteentwicklung werde in einer wissensbasierten Ökonomie immer wichtiger wie auch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen stärker in den Fokus rücke: Als gleichberechtigte Mitglieder im Vorstand seien ArbeitsdirektorInnen die Brückenbauer zwischen ökonomischen und sozialen Zielsetzungen.

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