Geringverdienende haben in der Pandemie deutlich mehr Sorge vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus im Job als Gutverdienende. Das zeigt die Auswertung einer mehrmonatigen Online-Befragung von Beschäftigten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

In der ersten Maihälfte fielen hierzulande die Inzidenz-Zahlen. Dennoch beunruhigte sich knapp ein Drittel (32 %) aller befragten Beschäftigten in diesem Zeitraum ob des Gedankens, sich am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit mit Sars-CoV-2 anzustecken.

Frauen und Männer mit einem geringen Einkommen sorgten sich mit 43 Prozent deutlich stärker um ihre Gesundheit als Besserverdienende. Unter diesen beunruhigten sich gerade einmal 23 Prozent wegen einer möglichen Infektion. Zu diesen Ergebnissen kommt die Auswertung des WSI-Portals Lohnspiegel.de. Ein Jahr lang wurden Informationen zu den Arbeitsbedingungen erhoben.

Die Erklärung für diese Unterschiede liefert WSI-Expertin für Verteilungsfragen Dr. Aline Zucco. Die Corona-Krise ist für sie stark geprägt von sozialer Ungleichheit: „Nicht nur die ökonomischen Lasten der Pandemie sind sehr ungleich verteilt, sondern auch die Gesundheitsrisiken“.

Die Fachleute erklären den Zusammenhang zwischen Einkommen und Ansteckungsbefürchtungen sowohl mit der Kontakthäufigkeit in den Berufen mit niedrigen Löhnen – beispielsweise Verkaufsberufe oder Sozialberufe – als auch mit dem betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Insgesamt 17 Prozent der Menschen mit einem niedrigen Lohn haben in der ersten Maihälfte 2021 angegeben, ihr Arbeitgeber habe „keine ausreichenden Infektionsschutzmaßnahmen getroffen“. Für Dr. Aline Zucco ist dies „angesichts der langen Vorlaufzeit erschreckend“. Bei den Beschäftigten mit einem besseren Einkommen registrierten im Vergleich zu den Geringverdienenden nur 9 Prozent einen lückenhaften Infektionsschutz.

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