Die Insolvenzzahlen von Personen- und Kapitalgesellschaften klettern nach oben: Im August haben 26 Prozent mehr Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Dies zeigt der ein Frühindikator des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, der IWH-Insolvenztrend.

Das Plus von 26 Prozent an Firmenpleiten entspricht laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 718 Personen- und Kapitalgesellschaften. Durch die August-Insolvenzen gingen in den größten 10 Prozent der Unternehmen 5.300 Arbeitsplätze verloren. Nach Angaben des Hallenser Instituts liegt somit die Zahl der betroffenen Beschäftigten auf dem Niveau der vergangenen zwölf Monate.

Für den laufenden Monat September prognostizieren die Insolvenzforscher ein Plus von 25 Prozent an Insolvenzen gegenüber dem Vorjahresmonat. Deutlich schlechter wird es nach der Prognose vermutlich im Oktober aussehen: Dann rechnen die IWH-Experten nach den Frühindikatoren mit Insolvenzzahlen, die rund ein Drittel über dem Vergleichsmonat des Vorjahres liegen.

Die zu beobachtende Trendwende nach der langen Zeit mit niedrigen Insolvenzzahlen erklärt Professor Dr. Steffen Müller vom IWH mit „stark steigenden Preisen für wichtige Produktionsfaktoren.“ Verantwortlich für die Preissteigerungen importierter Vorleistungsgüter seien die Unterbrechungen der internationalen Lieferketten. Der Krieg, den Russland verantwortet, führe zudem zu steigenden Energiekosten.

Zudem werde die eingeläutete Zinswende die Refinanzierungskosten der Unternehmen erhöhen. Außerdem würden die Lohnkosten durch die Erhöhung des Mindestlohns ab Oktober sowie durch die Lohnforderungen der Gewerkschaften zu einer Erhöhung der Kosten beitragen.

Für Professor Dr. Steffen Müller weisen die zunehmenden Insolvenzzahlen darauf hin, „dass viele Unternehmen mit dauerhaften Kostensteigerungen rechnen, die ihr Geschäftsmodell unrentabel werden lassen“. Trotz steigender Insolvenzzahlen könne derzeit nicht von einer drohenden Insolvenzwelle gesprochen werden.

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