Sparen statt Shopping: Haushalte mit niedrigem oder mittlerem Einkommen planen wegen der hohen Energiepreise eine Einschränkung ihres Konsums. Das zeigt eine aktuelle Energiepreisbefragung aus dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Haushalte, die mit Gas heizen, befürchten zu knapp zwei Drittel eine „eher schwere“ oder „sehr schwere“ finanzielle Belastung durch die aktuellen und noch zu erwartenden Gaspreise. Etwas entspannter sind die Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihre Wohnungen mit Öl (knapp 50 %) oder Fernwärme (knapp 40 %) beheizen. Die prognostizierten Stromkosten empfinden laut IMK-Befragung etwas mehr als 40 Prozent als „eher schwere“ oder „sehr schwere“ Belastung.

Als Konsequenz aus diesen Befürchtungen nehmen sich immer mehr Menschen vor, bei vielen anderen Ausgaben zu sparen. Dieses Ergebnis zeigt ein Vergleich zur Vorgänger-Befragung des IMK im Mai.

Ganz obenan stehen bei den Befragten Einschränkungen bei der Haushaltsenergie. Abhängig von Einkommen und Energieart wollen rund 60 Prozent bis 70 Prozent in diesem Bereich sparen. Auch bei dem Verbrauch an Kraftstoffen wollen sich knapp 50 der Fahrzeughalter zurückhalten.

Weniger essen gehen und Möbel kaufen

Auf der Liste möglicher Einsparungen stehen insbesondere Restaurant- und Gaststättenbesuche (64 %). Dicht auf folgt der Rotstift bei Anschaffungen für Wohnung und Haushalt (63 %) sowie bei Bekleidung und Schuhen (61 %).

Nach der IMK-Studie werden zudem 29 Prozent der Befragten nolens volens bei Nahrungsmitteln, Getränken und Genussmitteln auf die Ausgabenbremse treten müssen. Menschen mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2000 Euro werden sich sogar zu knapp 35 Prozent im Bereich Essen und Trinken einschränken müssen.

Die aktuelle Befragung hat gezeigt, dass „die positiven Effekte der Entlastungspakete I und II auf die persönliche Situation vielfach nur unvollständig wahrgenommen“ wurden. Als Grund dafür vermuten die Autoren der Studie, die kleinteilige Konstruktion der Entlastungspakete. Sie warnen davor, „diesen Fehler beim angekündigten Entlastungspaket III zu wiederholen“.

Die IMK-Wissenschaftler sprechen sich für das zügige Einführen eines Energiepreisdeckels für Strom und Gas aus. Ein solcher „könnte sowohl die Geldbörsen als auch das Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen.“ Auch könnte dadurch eine „konsumgetriebene Rezession“ abgewendet werden.

Der IMK Policy Brief Nr. 131 “Menschen in Deutschland nehmen Entlastungspakete I und II nur begrenzt wahr“ steht auf der Böckler-Webpage zum Download bereit.

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