Quo vadis Automobilzulieferer? Mit dieser Frage setzen sich Beschäftigte in dieser Branche wie Betriebsräte, Gewerkschafter und Führungskräfte auseinander. Einigkeit herrschte bei einer Online-Konferenz der Hans-Böckler-Stiftung und der IG Metall darüber, dass der einschneidende Wandel der Automobilindustrie die Zulieferer nicht nur nicht verschont, sondern längst erreicht hat. Transformationsprozesse werden die Zukunft bestimmen.

Der Fahrzeugbau verändert sich, alternative Antriebe werden den Verbrennungsmotor à la longue ablösen. Die Zulieferer sind schon jetzt in Bedrängnis – und die Situation ist umso schwieriger je kleiner die Betriebe sind, heißt es aus der IG Metall. Die Gewerkschaft sieht die Branche gleich in einer Doppelkrise: in einer strukturellen und in einer konjunkturellen Krise.

Für Ariane Reinhart, Personalchefin beim Zulieferer Continental, geht es “ums pure Überleben, um die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells”. “Wir müssen uns ein Stück weit neu erfinden”, betont Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Bosch.

Jörg Hoffmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, lässt keinen Zweifel daran, dass jetzt “die Weichen richtig gestellt werden” müssen. Für die IG Metall steht der Erhalt der Industriestrukturen im Mittelpunkt. Wie bedeutend die Branche ist, spiegeln die Daten: Rund 310.000 Beschäftigte arbeiten in den rund 1.800 Zulieferbetrieben. In diesen Unternehmen werden 70 Prozent der Wertschöpfung der gesamten Automobilindustrie erwirtschaftet.

Aus Sicht der Gewerkschaft könnte der Wandel in den Zulieferbetrieben und der Automobilindustrie bewältigt werden, wenn das Eigenkapital bei den Zulieferern gestützt werden würde: Vorgeschlagen wird ein Transformationsfonds, der beispielsweise “die Unternehmen vor Insolvenzen sichern und Chancen für Innovationen und Investitionen in neue Geschäftsmodelle” eröffnen soll. Die Mittel für diesen Fonds könnten etwa von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, institutionellen Investoren, aber auch von der Fahrzeugindustrie kommen.

Ein weiterer Vorschlag sieht Beteiligungen an Zuliefererbetrieben vor, die sich verkleinern müssen. In einer Best Owner Group (BOG) soll Kapital aus Pensionskassen, Versicherungen oder von Automobilherstellern gesammelt werden, um die Transformation sozialverträglich zu begleiten.

Die IG Metall schlägt zudem vor, das Bund und Länder regionale Transformationscluster fördern. Diese seien ein Element einer präventiven Strukturpolitik in Regionen, die überdurchschnittlich von Zulieferbetrieben geprägt seien. Nur durch einen konsequenten Wandel ihrer industriellen Strukturen könnten diese Regionen davor geschützt werden, zu Armutsregionen zu werden.

Mehr über die Online-Konferenz kann auf Mausklick im Netz gelesen werden.

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