Stress im Job ist auf Dauer ungesund. Allerdings ist es schwierig, ihn objektiv nachzuweisen und zu messen. Psychologinnen und Psychologen der Universität Saarland nutzten dazu die Stimme – und hoffen, damit einen Weg gefunden zu haben, Stress besser bewältigen zu können.

Eine nahende Deadline oder Mitarbeitergespräche sind anschauliche Faktoren, die bei vielen Menschen Stress auslösen. „Doch auch in normalen Arbeitssituationen kann Stress entstehen, den man oft nicht so leicht entdeckt“, berichten die Forschenden. Im schlimmsten Fall führe er zu psychischen und körperlichen Problemen. Bisher habe man versucht, das Ausmaß von Stress beispielsweise mit einer Messung des Cortisolspiegels durch einen Abstrich im Mund festzustellen. Solche Untersuchungen seien aber nicht alltäglich.

Das Team konnte nun nach eigenen Angaben mit der Hilfe von 111 berufstätigen Probanden „eindeutige Zusammenhänge“ zwischen tatsächlichem Alltagsstress auf der Arbeit und Veränderungen in der Stimme messen. Dafür schickten ihnen die Teilnehmenden eine Woche lang jeden Abend nach ihrer Arbeit Sprachnachrichten. Außerdem wurde nach Stressoren wie Terminen, Konflikten und Zeitdruck gefragt.

Es zeigten sich leichte Stimmveränderungen bei jenen, die einen stressigen Tag hatten. Zum einen sei die Intensität der Stimme gestiegen – sie haben also etwas lauter gesprochen. Zum anderen war die Stimme höher. Außerdem haben die Gestressten schneller gesprochen als üblich. Die Unterschiede seien für menschliche Ohren nicht auffällig, konnten aber mithilfe von Computeranalysen der Stimmdaten deutlich messbar gemacht werden.

Die Probanden mit nachgewiesenem Stresslevel in der Stimme fühlten sich selbst gar nicht gestresst, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Das beurteilt das Autorenteam als eine wichtige Erkenntnis, denn ihr Belastungslevel sei dann oftmals schon so hoch, dass es höchste Zeit wäre, etwas an der Arbeitsorganisation zu ändern. Der Ansatz der Stressmessung über die Stimme könne ein Weg sein, um für gesündere Arbeit zu sorgen, schließen die Forschenden. Dazu müssten aber zunächst Datenschutzprobleme, ethische Fragestellungen und Missbrauchsmöglichkeiten ausgeräumt werden.

Weitere Details finden Interessierte online in der Originalpublikation “A Longitudinal Investigation of the Association of Everyday Work Stressors and Human Voice Features”.

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