Wegen einer möglichen Gaskrise überlegen Unternehmen, ihre Mitarbeitenden im Winter verstärkt von Zuhause aus arbeiten zu lassen. Gewerkschaften warnen dabei vor einer Abwälzung von Energiekosten auf die Arbeitnehmer.

Alle sollen Energie sparen, auch die Unternehmen. Das Arbeiten im Homeoffice könnte mit dazu beitragen, den Gasverbrauch der Unternehmen zu verringern, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Diese Aussage hat die Gewerkschaften auf den Plan gerufen. Sie fragen, wer die anfallenden Energiekosten in den heimischen vier Wänden der Beschäftigten übernehmen würde und sprechen sich für ein Erhöhen der steuerlichen Homeoffice-Pauschale aus.

Die aktuelle Pauschale, die Arbeitnehmende im Homeoffice von der Steuer absetzen können, beträgt pro Arbeitstag 5 Euro für maximal 120 Tage im Jahr. Zum Jahresende 2022 läuft diese wegen der Corona-Pandemie eingeführte Pauschale aus.

Nun sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Büroschreibtisch der Gaskrise wegen in der kalten Jahreszeit erneut ins heimische Wohnzimmer oder die Küche verlegen. Aus Sicht der Gewerkschaften wäre es ein Unding, wenn die Heimarbeiter auch noch die Energiekosten tragen müssten, damit sie im Homeoffice nicht völlig im Kalten sitzen.

Forderung nach erhöhter Pauschale

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert daher mit Blick auf den kommenden Winter sowohl eine Anpassung der bestehenden Homeoffice-Pauschale als auch eine Verlängerung über das laufende Jahr hinaus. Die bisherige Pauschale von 600 Euro für Arbeiten im Homeoffice sei „viel zu eng gefasst und wird den Herausforderungen nicht gerecht“, so zitiert die Frankfurter Rundschau (FR) das DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Sein Vorschlag lautet, die Pauschale für das Arbeiten im Homeoffice mindestens auf 1.500 Euro pro Jahr zu erhöhen.

Die Vereinigte Dienstleistungsgesellschaft (ver.di) plädiert dafür, bei wieder verstärktem Arbeiten von daheim weniger den Staat in die Pflicht zu nehmen als die Unternehmen selbst. „Über Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung wäre zu regeln, dass je energieeinsparungsbedingten Homeoffice-Tagen, also im Winter, der Arbeitgeber einen bestimmten Betrag, zum Beispiel 5 Euro, den Beschäftigten auszahlt“, schlägt Norbert Reuter, Leiter der Tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei ver.di, in der FR vor.

Für Minister Robert Habeck bestehen kaum Zweifel daran, dass kalte Büros durch mehr Homeoffice zu einer positiven Energiebilanz führen. Dies sei dann der Fall, verdeutlicht er in der FR, „wenn in den Büros nicht geheizt wird und [zuhause] Räume genutzt werden, die sowieso geheizt werden“. Das Wirtschaftsministerium rechnet mit Einsparungen von bis zu 5 Prozent, wenn wieder mehr Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten.

Gegenwärtig ist ungeklärt, wie die Kosten zwischen den Beteiligten verteilt werden könnten. Die Abstimmung zwischen den Ministerien und den beteiligten Sozialpartnern laufe. Welche Lösung für die Kostenfrage auch gefunden werden wird: Sie soll aus Sicht der Gewerkschaften bald auf dem Tisch liegen und akzeptabel sein. Die Beschäftigten im Homeoffice sollen nicht auf den Kosten sitzen bleiben, die unter Umständen bei den Unternehmen eingespart werden.

 

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