Beschäftigte in sozialen Berufen sehen sich einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Ursache für diesen besonderen Stress im Job sind die Formen der Leistungssteuerung, so Verdi. Die Gewerkschaft hat untersucht, wie sich diese Steuerung auf die Arbeitsintensität und auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt.

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts standen nach der Studie der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufwandsorientierte Leistungsparameter wie Anstrengung, Fähigkeiten oder Qualifikationen im Vordergrund der Leistungssteuerung. Inzwischen dominieren ergebnisorientierte Leistungsmerkmale wie Menge, Problemlösung, Ertrag und Gewinn.

Die Beschäftigten sind zumeist selbst verantwortlich für das Erreichen der geforderten Leistungen. Doch „mit den entsprechenden Ressourcen und Handlungsspielräumen“ sind sie nicht ausgestattet, heißt es in der Studie „Leistungssteuerung und Arbeitsintensität“.

Je mehr Steuerungsformen bei einem Arbeitgeber angewendet werden, umso mehr steigt auch die Arbeitsverdichtung, zeigen die Autorinnen und Autoren der Publikation. Herauskristallisiert hat sich, dass die Mitarbeitenden indirekte Steuerungsformen als besonders belastend empfinden. Betroffen sind davon knapp drei Viertel (74 %) der befragten Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sowie der Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen: Sie berichteten, dass ihre Leistung über Ziele oder Ergebnisse gesteuert wird. Mit 58 Prozent sind die Beschäftigten aus dem Dienstleistungssektor von dieser Form der Leistungssteuerung deutlich weniger tangiert.

Als besonders problematisch erweist sich die Personalsituation. Es mangelt an Personal, was dazu führt, dass knapp die Hälfte (47 %) der Beschäftigten in Sozialberufen eine überhöhte Arbeitsmenge erledigen und nicht selten auch länger arbeiten muss. Die höhere Arbeitsmenge führt zum Verzicht auf Pausen und auf Urlaubstage, die verfallen. Die Mehrarbeit wird nicht immer vergütet.

Die Arbeitsintensität wirkt sich nach dieser Studie auf die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten aus: Auch in ihrer Freizeit könnten Betroffene „nicht richtig abschalten, sich nicht richtig erholen“. Leer und ausgebrannt würden sich viele soziale Dienstleisterinnen und Dienstleister fühlen.

Ein wenig Abhilfe könnte geschaffen werden, könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Einfluss auf ihre Arbeitsmenge nehmen, die an einem typischen Arbeitstag zu erledigen ist. Doch das können lediglich 43 Prozent der Befragten. Die Mehrzahl von 57 Prozent hat keinen oder nur geringen Einfluss auf die tägliche Arbeitsmenge.

Das Fazit der Gewerkschaft lautet: Die Personallücke in den sozialen Berufen muss geschlossen werden; zudem ist eine finanzielle Aufwertung der Tätigkeiten genauso geboten wie ein besserer Gesundheitsschutz für die Beschäftigten.

Grundlage für diese Verdi-Studie ist der DGB-Index Gute Arbeit 2019 für den Dienstleistungssektor.

 

 

 

 

 

 

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