Fachkräfte händeringend gesucht! So klingt ein aktueller Sound hierzulande, der laut und lauter wird. Abhilfe tut not. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die Bundesregierung getan: Sie hat den Entwurf einer Fachkräftestrategie vorgelegt und diesen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden auf dem Fachkräftegipfel diskutiert. Über diese Strategie soll im Herbst im Kabinett entschieden werden.

Ziel der neuen Fachkräftestrategie ist es, die Anstrengungen der Arbeitgeber zu unterstützen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Erreicht werden soll dies mit den folgenden Handlungsfeldern: zeitgemäße Ausbildung; gezielte Weiterbildung; wirksame Hebung der Arbeitspotenziale und Erhöhung der Erwerbsbeteiligung; Verbesserung der Arbeitsqualität und Wandel der Arbeitskultur sowie einer Modernisierung der Einwanderung und einer Reduzierung der Abwanderung.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass der Fachkräftemangel die Wirtschaft nicht ausbremsen dürfe. Daher seien eine Ausbildungsgarantie und eine Stärkung der Weiterbildung Teil der Fachkräftestrategie. Eine Modernisierung des Einwanderungsrechts soll zudem mehr ausländische Fachkräfte anziehen. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) wies darauf hin, dass auch die Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse weiter verbessert werden sollten.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) richtete den Fokus auf den akademischen wie den beruflichen Bildungsweg und verdeutlichte beider Relevanz: „Wir brauchen beides in unserem Land und beides hat den gleichen Rang“. Unterstrichen wird diese Aussage von Bettina Stark-Watzinger, die auf die geplante Exzellenzinitiative Berufliche Bildung hinweist.

Unzweifelhaft ist für die Bundesminister, die die Strategie vorgestellt haben, dass gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften daran gearbeitet werden sollte, alle Fachkräftepotenziale zu nutzen und zu fördern: Ein Muss für eine gute Zukunft.

Wie wichtig eine Fachkräftestrategie ist betonte auch DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Sie machte klar, dass ohne Fachkräfte die notwendige Transformation scheitert und auch die Krise nur schwer zu bewältigen sei: „Beides kann sich Deutschland nicht leisten.“

Sie erinnerte daran, dass das Problem der fehlenden Fachkräfte hausgemacht sei. Denn just dort fehlten Fachkräfte ganz besonders, wo „Arbeitsbedingungen und Bezahlung“ schlecht seien. Beispielhaft nannte Anja Piel die Pflege. Diese Berufe würden viele nach wenigen Jahren Tätigkeit wieder verlassen. Ein Problem, das gelöst werden müsse, aber nicht zu lösen sei mit der Rekrutierung von Kräften aus anderen Ländern, die dann hierzulande zu Dumpinglöhnen arbeiteten.

Aus ihrer Perspektive sind eine kluge Fachkräftestrategie und eine echte Willkommenskultur erforderlich. Erst die Kombination aus einem Ausschöpfen des hiesigen Potenzials an Arbeitskräften und attraktiven Bedingungen für attraktive Zuwanderung könnten den Mangel an Fachkräften entschärfen.

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