Bei Videokonferenzen geht viel Zwischenmenschliches verloren. Grund genug für einige Start-ups, das sogenannte Emotions-Tracking voranzutreiben. Es soll dabei helfen, die Gemütslage des Gegenübers auch via Bildschirm besser erfassen zu können.

Jede Medaille hat zwei Seiten. Zwar erleichtern digitale Tools das Arbeiten und die Kommunikation aus dem Homeoffice. Andauernde Videokonferenzen haben allerdings auch Nebeneffekte. Wie die österreichische Zeitung „Der Standard“ berichtet, werden sie unter anderem deshalb als anstrengend empfunden, weil sich die Konferenzteilnehmer in der Regel selbst sehen – „wie in einem Spiegel“. Das erzeuge zusätzlichen Stress und Druck durch Ablenkung.

Darüber hinaus ließen sich nonverbale Signale wie Müdigkeit oder Nervosität über den Bildschirm sehr viel schlechter entschlüsseln als bei persönlichen Treffen. Das liege vor allem an dem Dilemma, dass man sich nicht in die Augen schauen kann. Wer in die Kamera blickt, sieht den Gesprächspartner nicht, und wer den Gesprächspartner ansieht, blickt nicht in die Kamera.

Hier wittern einige Start-ups ihre Chance: Spezielle Software soll mittels Künstlicher Intelligenz Gesichtsausdrücke und Emotionen in Videokonferenzen erkennen lernen. Ein Tool sei beispielsweise in der Lage, Gesten in digitale Icons zu übersetzen. Wenn ein Konferenzteilnehmer in die Kamera winke, werde dem Transkript ein entsprechendes Wink-Symbol hinzugefügt. In Vorstellungsgesprächen wird ohnehin schon seit längerer Zeit mit entsprechenden Messtechnologien experimentiert.

Der Haken, so berichtet der Standard weiter: Die Technologien arbeiteten noch sehr schablonenhaft: „Vor allem hat KI nach wie vor Probleme, geöffnete Augen von asiatischen Gesichtern zu erkennen.“ Zudem müsse ein Teilnehmer noch lange nicht unaufmerksam sein, nur weil er die Augen geschlossen hat. Eine weitere Besonderheit müsse ebenfalls berücksichtigt werden: Wenn jede Regung in Bild und Ton aufgezeichnet werde, agierten Menschen kontrollierter und womöglich auch uninspirierter.

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