Die Unterschlagung von Trinkgeld, das zur Verteilung an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmt ist, rechtfertigt eine fristlose Kündigung. Das entschied das Arbeitsgericht (ArbG) Siegburg im Falle eines Kfz-Technikmeisters, der 165 Euro in die eigene Tasche abgezweigt hatte (Az.: 5 Ca 413/22).

Der Mann war seit sieben Jahren im Betrieb tätig. Dieser nahm regelmäßig größere Trinkgeldbeträge ein, wenn Schrotthändler entsorgtes Material abholten und es durch eine Zahlung in die Mitarbeiterkasse vergüteten. Das Geld wurde grundsätzlich auf die gesamte Belegschaft verteilt.

Am 14.01.2022 gab ein Schrotthändler dem Automechaniker 235 Euro für die Trinkgeldkasse. Tatsächlich landeten dort aber nur 70 Euro. Den Rest, 165 Euro, behielt er für sich. Das Ganze flog allerdings schnell auf. Der Betrieb kündigte dem Mann am 28.01. fristlos. Dagegen erhob er Kündigungsschutzklage. Das ArbG hielt die fristlose Kündigung jedoch für gerechtfertigt und wies die Klage ab.

Der wichtige Kündigungsgrund, der solch einer Trennung zugrunde liegen muss, lag nach Auffassung der Kammer darin, dass der Kfz-Meister seinen Kolleginnen und Kollegen das Geld zu Unrecht vorenthalten hat. Dies stelle eine „ganz erhebliche Pflichtverletzung“ dar.

Mit seinen Einlassungen hatte es der Mann nicht besser gemacht. Er erklärte zunächst, dass er die 165 Euro für den Verkauf einer Metallwerkbank erhalten habe. Allerdings konnte er weder deren Typ noch deren Gewicht benennen. Das Gericht erklärte ihm daraufhin, dass der derzeitige Metallschrottpreis bei etwa 27 Cent pro Kilogramm liege. Die Metallwerkbank hätte also etwa 600 Kilogramm gewogen haben müssen. In der Folge habe der Mann seine Einlassung „tröpfchenweise“ geändert. Das Urteil des Gerichts hierzu fiel ebenfalls eindeutig aus: Schutzbehauptungen!

Urteil des ArbG Siegburg vom 14.07.2022 (Az.: 5 Ca 413/22).

Gegen die Entscheidung kann Berufung beim Landesarbeitsgericht (LAG) Köln eingelegt werden.

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