Gar nicht witzig: Wer einen Kollegen vorsätzlich in der Toilette einschließt, muss mit seiner fristlosen Kündigung rechnen. Das Arbeitsgericht (ArbG) Siegburg sah kürzlich eine solche Tat als Freiheitsberaubung und eine Abmahnung deshalb als entbehrlich an.

Zwischen dem Kläger, einem Lageristen, und seinem Kollegen hatte es laut Gericht bereits häufiger Streit gegeben. Als letzterer sich eines Tages auf der Toilette befand, schlug ersterer zu: Er schob ein Papierblatt unter der Tür hindurch und stieß anschließend den Schlüssel mit einem Gegenstand aus dem Schloss. Dieser fiel auf das Blatt, das er nun wieder herauszog. Sein Opfer ließ er anschließend so lange schmoren, bis dieses sich genötigt sah, die Toilettentür aufzutreten, um freizukommen.

Am 18.06.2020 reagierte der Arbeitgeber auf den Vorfall mit einer fristlosen Kündigung. Dagegen wehrte sich der Lagerist mit einer Kündigungsschutzklage, die das ArbG jedoch abwies. Dass der Kläger seinen Kollegen auf der Toilette einschloss und ihm durch einen „alten Trick“ den Schlüssel wegnahm, wertete es als wichtigen Kündigungsgrund und eine ganz erhebliche Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten. Er habe den Kollegen zumindest teilweise seiner Freiheit und der ungehinderten Möglichkeit des Verlassens der Toilette beraubt.

Zudem habe auch der Arbeitgeber Schaden davongetragen: Denn durch das Verhalten des Klägers sei sein Eigentum, namentlich die Toilettentür, beschädigt worden. Eine Abmahnung sei in diesem Falle entbehrlich. Überdies sei dem Arbeitgeber daher auch keine Weiterbeschäftigung des Klägers bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist zuzumuten.

(Noch nicht rechtskräftiges) Urteil des ArbG Siegburg vom 11.02.2021 (Az.: 5 Ca 1397/20). Es kann Berufung beim Landesarbeitsgericht Köln eingelegt werden.

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