Der Missbrauch von sensiblen Kundendaten rechtfertigt eine fristlose Kündigung – auch dann, wenn der Betroffene damit eine Sicherheitslücke in einem IT-System des Kunden aufdecken will. Das entschied das Arbeitsgericht (ArbG) Siegburg. Er habe damit das Vertrauen des Kunden in das Unternehmen und seine Mitarbeiter gestört und die Kundenbeziehung massiv gefährdet (Az.: 3 Ca 1793/19).

Der gekündigte Kläger war seit 2011 als SAP-Berater tätig. Vom Rechner eines Spielcasinos aus bestellte er Kopfschmerztabletten für zwei Vorstandsmitglieder eines Kunden seines Arbeitgebers. Zur Bezahlung per Lastschrift nutzte er Namen, Anschriften und Bankverbindungsdaten von Kunden dieses Kunden. Diese hatte er zuvor von einem verschlüsselten Rechner des Kundenunternehmens auf einen privaten Memory-Stick heruntergeladen.

Mit der Lieferung der Kopfschmerztabletten ließ er den Vorstandsmitgliedern eine Bemerkung zukommen: Anhand der Bestellung könnten sie sehen, wie einfach Datenmissbrauch bei ihnen sei – was ihnen Kopfschmerzen verursachen müsste, die mit den Tabletten behandelt werden könnten. Seinen Arbeitgeber hatte er nicht über die bestehende Sicherheitslücke bei dem Kunden informiert. Dieser zerbrach sich nicht lange den Kopf und kündigte dem IT-Berater fristlos, wogegen er Kündigungsschutzklage erhob. Jedoch ohne Erfolg.

Durch sein Vorgehen habe er eklatant gegen seine Pflicht zur Rücksichtnahme auf die Interessen des Arbeitgebers verstoßen, begründeten die Richter ihr Urteil. Sensible Kundendaten seien zu schützen. Der Kläger aber habe seinen Datenzugriff missbraucht und eine Sicherheitslücke beim Kunden ausgenutzt. Dieser dürfe aber von ihm und seinem Arbeitgeber Schutz und keinesfalls Missbrauch von etwaigen Sicherheitslücken erwarten. “Auch für das Aufdecken vermeintlicher Sicherheitslücken dürfen Kundendaten nicht missbraucht werden”, stellte das Gericht fest. Die massive Gefährdung der Kundenbeziehung rechtfertige eine fristlose Kündigung.

Urteil des ArbG Siegburg vom 15.01.2020 (Az.: 3 Ca 1793/19). Gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil kann Berufung eingelegt werden.

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