Eine neue Studie zeigt, dass bundesweit bis zu 50.000 Vollzeitkräfte in der Intensivpflege der Krankenhäuser fehlen. Die Gewerkschaft ver.di nimmt das zum Anlass, ihre Forderung nach bedarfsgerechten und verbindlichen Personalvorgaben in allen Klinikbereichen zu bekräftigen.

Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Gesundheitssystemforschers Professor Dr. Michael Simon liefere einen weiteren Beleg für „die unhaltbaren Zustände in deutschen Krankenhäusern“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Die Personallücke gefährde sowohl die intensivmedizinische Versorgung als auch die Gesundheit der beruflich Pflegenden.

Im Zuge der Pandemie habe sich die Arbeitsbelastung auf den Intensivstationen verschärft, so Bühler weiter. Die Folge sei, dass Pflegepersonen aus ihrem Beruf fliehen oder ihre Arbeitszeit auf eigene Kosten reduzieren, „weil sie es nicht mehr aushalten“. Es gebe keinen Mangel an qualifizierten Pflegenden, aber sehr viele seien nicht mehr bereit, unter den derzeitigen Bedingungen zu arbeiten. Daher müsse „der Teufelskreis aus schlechten Arbeitsbedingungen, Berufsflucht und noch höherer Belastung“ durchbrochen werden.

Das zentrale Mittel dafür seien bedarfsgerechte und verbindliche Personalvorgaben. Die lägen mit der Pflegepersonal-Regelung (PPR) 2.0 schon seit zwei Jahren vor. Das Instrument soll einer bedarfsorientierten Personalbemessung in der Krankenhauspflege dienen und wurde von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und ver.di entwickelt.

Der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe die Neuregelung ignoriert, sein Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) komme nun „nicht recht in die Gänge“, obwohl die Einführung der PPR 2.0 im Koalitionsvertrag stehe, kritisiert die Gewerkschafterin. Den Krankenhausbeschäftigten, die jeden Tag an ihre Leistungsgrenze und darüber hinaus gehen würden, fehle dafür jedes Verständnis.

Die Studie „Pflegenotstand auf Intensivstationen“ kann auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung kostenfrei heruntergeladen werden. Eine Kurzdarstellung der PPR 2.0 ist im Internet-Angebot der Deutschen Krankenhausgesellschaft abrufbar.

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