Viele Unternehmen klagen über Personalmangel, gleichzeitig sind bereits mehr als 360.000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) warnt nun davor, die Geflüchteten als billige Arbeitskräfte auszunutzen.

Ob auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder der Gebäudereinigung: „Manche Chefs wollen die oft gut qualifizierten Geflüchteten lieber heute als morgen einstellen – aber oft zu schlechten Bedingungen“, sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Robert Feiger. Wer etwa als Saisonkraft in der Landwirtschaft arbeitet, habe bis zu 70 Tage lang keinen Sozial- und Krankenversicherungsschutz.

Darüber hinaus „drohe“ den Beschäftigten in der Bau-Branche aktuell ein Einkommen auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns. Die Arbeitgeberverbände hatten kürzlich den Schiedsspruch zu einem neuen Bau-Mindestlohn ab dem 1. Mai 2022 abgelehnt. Damit würde man zurück auf den gesetzlichen Mindestlohn fallen, so Feiger: „Für 9,82 Euro pro Stunde sollte sich aber keiner die fordernde Arbeit auf dem Bau gefallen lassen.“

Kein Unternehmen dürfe jetzt die Lage der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, ausnutzen. Er rät Geflüchteten, die einen Job suchen, sich genau über Arbeitsbedingungen, Bezahlung und die eigenen Rechte zu informieren. Hilfe, auch in ukrainischer Sprache, böten beispielsweise die gewerkschaftsnahen Beratungsstellen „Faire Integration“

Außerdem plädiert der IG BAU-Vorsitzende dafür, jetzt die Weichen für eine „echte“ Integration am Arbeitsmarkt zu stellen – selbst wenn nur ein kleiner Teil der nach Deutschland geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer im Land bleibe. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse: „Hier ist vor allem der Staat gefragt. Berufsqualifikationen aus der Heimat dürfen in Deutschland nicht wertlos werden.“ Außerdem müssten die Behörden den Zugang zu Sprachkursen vereinfachen und mehr Kita- und Schulplätze schaffen. Ohne diese kämen für viele Eltern „höchstens Minijobs mit wenigen Wochenstunden“ infrage.

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