Aus Sicht vieler Experten entspricht das Ehegattensplitting nicht mehr den Anforderungen der Zeit, sondern belastet zusammen mit den Minijobs insbesondere Geringverdienende. Eine Reform beider würde die vorhandenen Fehlanreize beseitigen und zu einer Win-win-Situation führen – niedrige Einkommen würden ohne zusätzliche Kosten für den Staat entlastet. Dieses Ergebnis präsentiert eine ifo-Studie.

Fachkräfte hierzulande sind knapp und werden zunehmend knapper. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu entschärfen, kann darin bestehen, für die sogenannten Zweitverdienenden – meistens Ehefrauen mit Kindern – Anreize zu schaffen, ihre Beschäftigung zu erhöhen.

Ein solcher Anreiz fehlt gegenwärtig. Liegt der Verdienst des Zweitverdienenden über 451 EUR im Monat, dann werden durch das Ehegattensplitting beide Eheleute mit dem gleichen Einkommenssteuersatz belastet. Daher besteht nur geringes – oft gar kein – Interesse der Zweitverdienenden, die eigene Arbeitszeit auszuweiten.

Die ifo-Wissenschaftler stellen in ihrer Studie verschiedene Modelle vor: Zum einen eine Reform des Ehegattensplittings, zum anderen die Umwandlung der Minijobs wie der Midijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen und zudem eine Kombination beider Reformvorschläge.

124.000 neue Jobs möglich?

Würde beispielsweise statt des Ehegattensplittings ein Realsplitting mit einem maximalen Übertragsbetrag von 13.805 EUR greifen, dann würde der „Anreiz für Zweitverdienende zu einer Ausweitung ihres Arbeitsangebots“ gestärkt werden, so die ifo-Berechnungen. Würde diese Reform ferner mit einer Reform der Regelungen für Minijobs und Midijobs – ansteigende Sozialversicherungsabgaben bis 1.800 EUR – kombiniert, so würden sich weitere positive Anreize für mehr Beschäftigung schaffen lassen. Insgesamt könnten dadurch rund 124.000 Menschen mehr in Arbeit gebracht werden, so die Berechnung.

Professor Dr. Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, weist darauf hin, dass „eine kombinierte Reform von Minijobs und Ehegattensplitting auch die Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt verringern“ würde, „indem sie Fehlanreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen abbaut.“

Die Studie „Raus aus der Zweitverdienerinnenfalle – Reformvorschläge zum Abbau von Fehlanreizen im deutschen Steuer- und Sozialversicherungssystem“ wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt.

 

 

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