Der Fachkräftemangel ist offenbar nur eine Seite der Medaille, wenn es um die derzeit verbreiteten Probleme bei Stellenbesetzungen geht. Denn viele Betriebs- und Personalräte halten eine niedrige Bezahlung und ungünstige Arbeitszeiten für ebenso wichtige Gründe. Das geht aus einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor, die auf der Befragung von knapp 3900 Arbeitnehmervertretungen in Betrieben und Dienststellen ab 20 Beschäftigten basiert.

Demnach sehen, je nach Qualifikationsprofil der offenen Stellen, ein Viertel bis ein Drittel der Befragten den wichtigsten Faktor für Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung in ihrem Betrieb in unattraktiven Arbeitsbedingungen.

56,2 Prozent der befragten Betriebs- und Personalräte gaben an, dass in den vergangenen 24 Monaten nicht alle ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten. Im Gesundheitswesen und im Baugewerbe lag der Anteil mit 80,2 beziehungsweise 72,2 Prozent besonders hoch.  Neben der Branche spielt das erforderliche Qualifikationsniveau eine wichtige Rolle: Während 70,5 Prozent berichteten, dass Stellen für Hochqualifizierte vakant geblieben sind, waren es bei Personal für einfache Tätigkeiten dagegen lediglich 19,4 Prozent.

Sämtliche Qualifikationsniveaus betroffen

Der Mangel an geeigneten Arbeitskräften wird zwar als Hauptgrund für die Probleme gesehen. Relevant seien aber auch schlechte Arbeitsbedingungen als „hausgemachter“ Faktor: Bei fehlendem Personal für einfache Tätigkeiten hielten gut 32 Prozent die unattraktiven Konditionen für ausschlaggebend, bei hochqualifizierten Stellen lag die Quote mit 31 Prozent fast ebenso hoch. In den Branchen Verkehr, Lagerei sowie Gastgewerbe war der Anteil der Befragten, die die Arbeitsbedingungen vor Ort verantwortlich machen, sogar größer als der Anteil derjenigen, die auf den Arbeitsmarkt verweisen.

Attraktivere Arbeitsbedingungen können folglich nach Einschätzung von Ko-Autorin Dr. Elke Ahlers dazu beitragen, das Problem in den Griff zu bekommen. Um insbesondere Geringqualifizierte, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund besser ins Arbeitsleben zu integrieren, brauche es zudem mehr Weiterbildung. Mehr Kita-Plätze, familienfreundliche Arbeitszeiten, eine gerechtere partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit und Homeoffice könnten jungen Eltern die Teilhabe am Erwerbsleben erleichtern.

Die Studie kann kostenfrei auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung heruntergeladen werden.

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