In einigen Bundesländern wurde die Isolationspflicht für Corona-Infizierte mittlerweile aufgehoben. Nicht immer ist Unternehmen, Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen jedoch klar, was das für sie in der Praxis bedeutet. Ein emeritierter Arbeitsrechtsexperte der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) nimmt Stellung dazu.

„Dass infizierte Beschäftigte jetzt nicht mehr zur häuslichen Isolierung verpflichtet sind, heißt nicht, dass sie in den Betrieb kommen müssen“, sagt Professor Dr. Peter Wedde. Corona-infiziert zu sein bedeute, krank zu sein: Wer von einem Arzt wegen einer Infektion krankgeschrieben sei, dürfe nicht arbeiten. Daran hätten sich Arbeitgeber ebenfalls zu halten, „auch wenn manche bislang gern hingenommen haben, dass an SARS-CoV-2 erkrankte Personen von zu Hause weiter gearbeitet haben, obwohl sie krank waren“.

Anders liege der Fall, wenn man trotz einer festgestellten Corona-Infektion symptomfrei ist und sich fit fühlt. Dann darf man nach der Aufhebung der Isolationspflicht wieder zur Arbeit gehen – mit Ausnahme bestimmter Berufsgruppen wie etwa Beschäftigte in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Man ist dann aber verpflichtet, fünf Tage lang in Innenräumen eine FFP-2-Maske zu tragen und notwendige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, beispielsweise Abstand zu halten.

„Unabhängig hiervon gilt, dass Arbeitgeber Beschäftigte in dieser Situation bitten können, nicht in den Betrieb zu kommen und stattdessen übergangsweise von zu Hause zu arbeiten“, so Wedde weiter. Das setze allerdings Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten voraus. Ein Arbeitgeber könne niemanden dazu zwingen, wenn es zu Hause keine räumliche Möglichkeit zum Arbeiten gibt oder jemand von dort aus nicht arbeiten will oder kann.

Fürsorgepflicht gegenüber gesunden Beschäftigten beachten

Arbeitgeber haben jedoch häufig, beispielsweise wegen ihrer Fürsorgepflicht gegenüber gesunden Beschäftigten, ein Interesse daran, dass positiv auf Corona getestete Arbeitnehmende nicht in den Betrieb kommen. Dann können sie ein zeitlich befristetes Betretungsverbot aussprechen. Wedde verweist aber darauf, dass Arbeitgeber, die arbeitswillige Beschäftigte am Betreten des Betriebs hindern, diesen das Gehalt weiterzahlen müssen.

Des Weiteren gilt: Arbeiten mit dem Corona-Virus infizierte Beschäftigte im Betrieb, müssen Arbeitgeber dort notwendige Schutzmaßnahmen wie etwa eine räumliche Trennung treffen. „Gibt es wirksame Schutzmaßnahmen, können sich andere Beschäftigte aus Angst vor Ansteckung im Regelfall nicht weigern, am Arbeitsplatz zu erscheinen“, erklärt Wedde.

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