Trainings und Maßnahmen zur Achtsamkeit am Arbeitsplatz können das individuelle Stresserleben stark senken. Zudem gehen sie mit vielen weiteren positiven Effekten einher. Das konnten Gesundheitsforscherinnen der Uni Witten/Herdecke nun wissenschaftlich untermauern.

„Achsamkeit wirkt!“, fassen sie das zentrale Ergebnis ihrer Forschungen kurz zusammen. Die etwas längere Version: Es ließen sich unter anderem positive Effekte auf Wohlbefinden, Erholungsfähigkeit, Selbstreferenz und Selbstregulation sowie Burnout-Risiko nachweisen. Das gilt sowohl für analoge als auch für digitale Angebote. Letztere brachten hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit und des Burnout-Risikos sogar deutlich stärkere Effekte.

Bei Formaten, die analog und in Präsenz stattfinden, waren Gruppenformate wirksamer als individuell durchgeführte Trainings, so eine weitere Erkenntnis. Das Forschungsteam sieht hier besonders großes Potenzial: „Das Setting einer Gruppe lädt aufgrund des sozialen Charakters in den meisten Betrieben, Branchen oder Berufsgruppen geradezu dazu ein, Achtsamkeitstrainings auch dazu zu nutzen, zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Empathie in einem Miteinander praktisch zu üben.“

Es reiche allerdings nicht, einfach Kurse anzubieten. Es brauche auch Strukturen, um Achtsamkeit nachhaltig in die Unternehmenskultur zu integrieren. Die Forscherinnen konnten hier drei wesentliche Aspekte für den Erfolg solcher Maßnahmen identifizieren. So müsse Achtsamkeit räumlich und organisatorisch institutionalisiert sein: Es brauche einen repräsentativen Ort der Achtsamkeit, beispielsweise einen „Raum der Stille“. Hilfreich seien auch repräsentative Organisationseinheiten wie etwa ein „Referat für Achtsamkeit“.

Darüber hinaus könne Achtsamkeit im Betrieb etabliert werden, wenn eine wertschätzende Betriebskultur vorherrscht und es verantwortliche Personen gibt, die das Thema repräsentieren und vorleben. Außerdem sollte eine geeignete Programmstruktur entwickelt werden, die – unter anderem – auf Freiwilligkeit setzt und eine adäquate Kostenbeteiligung definiert.

Der Volltext des Reports “Wirksamkeit von Achtsamkeitstechniken im Arbeitskontext” (ca. 100 Seiten) findet sich auf der Webpage der Initiative Gesundheit und Arbeit

Hinweis der Redaktion: Der Begriff “Achtsamkeit” ist nicht allgemeingültig definiert. Oft – wie auch hier – geht es dabei um Aspekte der Prävention und Gesundheitsförderung – etwa im Rahmen der sog. achtsamkeitsbasierten Stressverminderung (engl. Mindufulness Based Stress Reduction, MBSR). Diese vom US-amerikanischen Molekularbiologen und Mediziner Jon Kabat-Zinn entwickelte Methode vereint Elemente von Meditation, (Selbst-)Wahrnehmungsübungen, Yoga und Entspannungstechniken. In Kliniken wird sie außerdem zur Behandlung von Burn-out und (Belastungs-)Depressionen eingesetzt. Viele Krankenkassen bieten Achtsamkeits-Kurse oder -podcsts an.

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