Es ist bekannt, dass medizinisches Personal in der Pandemie unter dauerhaft hoher Belastung steht. Eine Studie der Uni Heidelberg zeigt nun detaillierter, welche Stressfaktoren in welchen Sektoren des Gesundheitssystems eine besondere Rolle spielen – und welche Bewältigungsstrategien vielen Betroffenen helfen.

Für die Studie wurden in der ersten Welle der Pandemie 575 Fachkräfte aus dem ambulanten Sektor, Krankenhäusern und der präklinischen Notfallversorgung befragt. Demnach zählten insbesondere die Angst vor Ansteckung, Unsicherheit und mangelndes Wissen sowie Sorgen um das Team zu den latent auftretenden Stressfaktoren. Hinzu kam die Befürchtung, dass das Privatleben aufgrund der hohen Arbeitslast beeinträchtigt wird.

Insgesamt habe der Stresslevel im Durchschnitt auf einer Skala von 1 bis 5 „nur“ bei 3,2 gelegen. Es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede in den drei Bereichen:

So empfanden die Fachkräfte in der ambulanten Versorgung mehr Stress als die Befragten im Krankenhaus und in der präklinischen Notfallmedizin. Letztere wiederum waren zwar weniger erschöpft als die anderen, machten sich jedoch bedeutend mehr Sorgen um die Kolleginnen und Kollegen.

Passgenaue Bewältigungsstrategien nötig

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass maßgeschneiderte Bewältigungsstrategien helfen und notwendig sind, um pandemiebedingten Stressoren entgegenzuwirken. Als wirksam führten die Befragten, neben der Maskenpflicht und dem Abstandhalten, Training, Erfahrung und Wissensaustausch an. Außerdem könnten Beschäftigte im Gesundheitsbereich von Strategien profitieren, die das soziale Umfeld einbeziehen. Ein Beispiel sind Arbeitszeiten, die genügend Zeit für Familie und Freunde lassen.

Seit der ersten Welle hat sich einiges gebessert, doch ist die Lage nach wie vor angespannt. Zwar wirke sich in der präklinischen Notfallversorgung positiv aus, dass es genug Schutzausrüstung gibt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang damit geübt sind und die meisten von ihnen ihre dritte Impfung bereits erhalten haben.

Im klinischen Bereich dagegen trage insbesondere der tägliche Kampf um das Überleben schwer erkrankter Patientinnen und Patienten zu einer hohen psychischen und physischen Belastung bei. Auch im ambulanten Bereich, etwa in der Kinder- und Jugendmedizin, sei der Stresspegel weiterhin hoch, heißt es in einer Mitteilung.

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