Auch wenn die Lockerungen der Corona-Maßnahmen ein anderes Gefühl vermitteln: Covid-19-Infektionen und deren Folgen sind derzeit mit Abstand die häufigste Berufskrankheit. Seit Beginn der Pandemie wurden den Unfallversicherungen fast 170.000 solcher Verdachtsfälle gemeldet.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) berichtet, sind die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Corona-Pandemie momentan noch nicht abschließend zu bewerten. Je nach beruflicher Tätigkeit werde unterschieden, ob es sich bei einer Covid-19-Erkrankung um eine Berufskrankheit oder einen Arbeitsunfall handelt.

Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrtspflege und im Labor sowie Berufe mit einem vergleichbaren Infektionsrisiko seien in der Regel einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt, weshalb es in dieser Berufsgruppe häufiger zu einer Anerkennung als Berufskrankheit kommt. Von einem Arbeitsunfall sei dagegen die Rede, wenn die Ansteckung am Arbeitsplatz erfolgt, jedoch nicht als Folge einer bestimmten beruflichen Tätigkeit mit einem erhöhten Risiko zu sehen ist. „Aus diesem Grund ist hier künftig verstärkt betriebsärztliche Expertise gefragt, wenn es um die richtige Einordnung geht“, betont DGAUM-Präsident Prof. Thomas Kraus.

Eine Sonderauswertung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hat ergeben, dass mittlerweile knapp 203.000 Verdachtsmeldungen bei den Unfallversicherungen eingegangen sind. Davon entfielen 169.089 auf Berufskrankheiten und 33.856 auf Arbeitsunfälle. Von den entschiedenen Fällen wurden bisher 74,8 Prozent von den gesetzlichen Unfallversicherungen als Berufskrankheit anerkannt. Bei den Arbeitsunfällen liegt die Anerkennungsquote mit 30,7 Prozent deutlich niedriger. Ein Grund dafür sei, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Infektion und der Arbeitsplatz-Situation in diesen Fällen schwieriger zu ermitteln ist.

Pflegekräfte sind die Berufsgruppe, in denen sich versicherte Personen mit 66,5 Prozent aller Verdachtsanzeigen am häufigsten infizieren und erkranken, heißt es bei der DGAUM weiter. Ärztinnen und Ärzte machten 4,5 Prozent der Meldungen aus. Des Weiteren können nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand insbesondere schwere Krankheitsverläufe mit Langzeitfolgen assoziiert werden und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben.

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