Betriebsräte und Gewerkschaften können gerade in Pandemiezeiten viele Initiativen im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz anstoßen. Das zeigen Beispiele.

Seit Beginn der Seuche sind die Gewerkschaften und die Betriebsräte ganz besonders gefordert: Sie haben nicht abgewartet, sondern reagiert. Breitflächig haben sie sich dem Thema Gesundheitsschutz verschrieben. Mit Erfolg, wie u.a. das Beispiel Unilever zeigt. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern an allen hiesigen Standorten in der Pandemie weitreichende Hygienemaßnahmen an. Zu verdanken haben das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem rührigen Betriebsrat des zur Unilever-Gruppe gehörenden Unternehmens Knorr in Heilbronn, meldet der Südwestrundfunk (SWR) auf seiner Webseite.

Der Startschuss für das Sicherheitspaket fiel an jenem Standort, dessen Zukunft bis zum vergangenen Sommer lange Zeit ungeklärt war. Das Werksgelände darf zu Corona-Zeiten nun nur betreten werden, wer gesund ist. Eine Fiebermessung wird sozusagen als Eintrittskarte fällig. Doch das ist nicht alles: Auch eine Testpflicht ist selbstverständlich für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer.

Damit die Schnelltests so angenehm wie möglich für alle Beschäftigten sind, hat sich der Betriebsrat für die „deutlich teureren Gurgeltests“ stark gemacht, so der SWR. Kein ganz einfaches Unterfangen, doch letztlich wurden diese Tests von der Geschäftsführung genehmigt. Einige Diskussionen waren freilich dafür erforderlich, zitiert der SWR den Betriebsratsvorsitzenden von Knorr Unilever, Thilo Fischer. Doch der Erfolg spricht für sich.

Wie wichtig dem Heilbronner Betrieb die Gesundheit der Mitarbeiter ist, zeigt auch die Sicherheitsmaßnahme ‚Taxi‘: Jeder, der in Vor-Corona-Zeiten mit Bussen und Bahnen zum Arbeitsplatz gelangte, kann jetzt Taxi fahren – auf Kosten des Unternehmens. Damit sich eben keiner auf den Fahrten zum Arbeitsplatz ansteckt. Auch eine Idee des Betriebsrats, die ebenfalls vom Konzern an den deutschen Standorten übernommen worden ist.

Gewerkschaften bei Nachwuchsgewinnung gefordert

Trotz aller Aktivitäten der Gewerkschaften und ihrem Einsatz für den Gesundheitsschutz, sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg – und nicht nur da – mehr Mitglieder ausgetreten als neue gewonnen werden konnten. Ein Problem, das für Experten die Schwächen des veralteten Rekrutierungssystems zeigt.

Die Gewerkschaften wissen freilich sehr wohl um die aktuell schwierige Situation, in der weder Kundgebungen möglich sind, noch Veranstaltungen in den Betrieben. „Wir haben Aufholbedarf, keine Frage, aber da arbeiten wir sehr stark daran“, formulierte Martin Kunzmann, DGB-Bezirksvorsitzender Baden-Württemberg, gegenüber dem SWR.

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