In den vergangenen Wochen ist die öffentliche Diskussion um Belastungen für das Personal im Gesundheitswesen etwas in den Hintergrund getreten. Zu Unrecht, wie zahlreiche Fachgesellschaften und Berufsverbände in einem gemeinsamen Appell warnen: Denn viele Beschäftigte stünden vor dem Burn-out.

In Anbetracht der ununterbrochenen Konfrontation mit Notfallsituationen sowie teils leidvollem Sterben und Tod sei eine Hilfe für Gesundheitsfachkräfte mit hoher Belastung unerlässlich, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Seit einem Jahr seien diese dauerhaft zahlreichen Stressoren ausgesetzt – nicht zuletzt auch durch die Ausfälle der Kolleginnen und Kollegen durch Covid-19-Erkrankungen oder Quarantäne.

Die wirtschaftlichen Kosten würden durch Arbeitsausfälle, Behandlungskosten und dauerhaften Personalmangel massiv und hoch ausfallen. Gesundheitliche Folgen könnten unter anderem posttraumatische Belastungsstörungen oder Depressionen sein. Zwar gebe es ein Rahmenkonzept für den Schutz vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Es thematisiere psychosoziale Unterstützung für Professionelle in Schadens- und Gefahrenlagen, biete aber keinen Ansatz für eine konkrete Umsetzung.

Da strukturelle Schwachstellen wie der Mangel an Pflegekräften nicht schnell behoben werden könnten, müsse kurzfristig auf andere Weise unterstützt werden. So sei beispielsweise dringend dafür zu sorgen, dass die von der Pandemie besonders betroffenen Bereiche der Gesundheitsversorgung mit zusätzlichen Fachkräften aus der Psychologie, Psychotherapie, Neuropsychologie, Sozialarbeit und Seelsorge gestärkt werden.

Mittel- und langfristig brauche es ein nachhaltiges Konzept, das die psychische Gesundheit aller im Gesundheitssystem durch die Pandemie besonders belasteten Personengruppen gewährleiste – sowohl aus ethisch-moralischer als auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive. Der Appell, den bereits gut anderthalb Dutzend Fachgesellschaften und Berufsverbände unterzeichnet haben, findet sich im Wortlaut auf der DGP-Website.

Aktuelle Beiträge