Geld ist wichtig, aber es ist nicht alles. Diese Erkenntnis setzt sich zunehmend bei vielen Beschäftigten durch. Wie attraktiv eine Verkürzung der Arbeitszeit für Mitarbeiter und Arbeitgeber ist, zeigt das Beispiel des Thüringer Unternehmens IWB Industrietechnik.

Seit einem halben Jahr wird in Gotha bei IWB das scheinbar Unmögliche möglich gemacht: Die wöchentliche Arbeitszeit ist bei gleich bleibender Bezahlung um zwei Stunden gesunken. Wie es dazu kam, darüber berichtet Ralf-Peter Kroschel, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens, in einem Interview mit Faktor A, dem Arbeitgebermagazin der Bundesagentur für Arbeit.

Die rund 60 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten eine Lohnerhöhung erhalten. Doch die Geschäftsführung bekam die Rückmeldung, insbesondere vom Mitarbeitenden mit Kindern, Freizeit sei wichtiger als ein höheres Gehalt. Hellhörig geworden ob dieses Wunsches, wurde dazu Anfang des Jahres eine Umfrage in der Belegschaft durchgeführt. Das Ergebnis war eindeutig: Die Beschäftigten bestätigten mehrheitlich genau diesen Wunsch, der da lautete: mehr Freizeit statt mehr Geld.

Dann ging alles Schlag auf Schlag, wie Geschäftsführer Kroschel erzählt. Da die Entscheidung durch die Umfrage gut vorbereitet gewesen sei und die Belegschaft fest hinter der Arbeitszeitverkürzung stand, fehlte nur noch die Zustimmung des Betriebsrats. Die kam – natürlich. Zusätzlich erleichtert worden sei der Prozess, weil die Arbeitszeitreduzierung um 5 Prozent für alle gleichermaßen gelte – auch für Teilzeitkräfte.

Nachdem klar war, die Arbeitszeit wird verkürzt werden, wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, wie sie sich künftig die Arbeitszeit wünschen würden. Erneut war das Ergebnis eindeutig: „Die meisten waren dafür, die frühere Arbeitszeit an vier Tagen pro Woche beizubehalten und den Freitag zu verkürzen“, so Ralf-Peter Kroschel. Zusätzliches Freitagsplus: An einem Arbeitstag mit sechs Stunden entfällt die Mittagspause – eine zusätzliche Zeiteinsparung.

Rund 480 Stunden werden bei IWB Industrietechnik durch die Umstellung weniger gearbeitet, doch Nachteile kann die Geschäftsführung keine erkennen. Sicher kostete die verringerte Maschinenlaufzeit „mehrere zehntausend Euro“, doch aktuell würden die Maschinen automatisiert. Die Automatisierung laufe dann einfach ein paar Stunden länger.

Warum das Unternehmen nicht gezögert hat, den Wunsch der Mitarbeitenden nach einer geringeren Arbeitszeit zu realisieren, erläutert Geschäftsführer Kroschel. Das Unternehmen suche gute Leute und die könnten nur mit interessanten Benefits gefunden und gebunden werden. „Das ist nicht immer der letzte Euro auf dem Lohnzettel, sondern es sind die Faktoren drum herum – in diesem Fall die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

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